Leitbild der Schule und unserer Pädagogik

 

 

Übersicht über unsere Pädagogik

 

 In diesem Artikel finden Sie wichtige Grundzüge unserer Pädagogik. Die zugeordneten Inhalte lassen sich durch einen Klick auf die Überschriften auf und zuklappen.

Unser Leitbild


Präambel
Die Montessorischule Neusitz-Rothenburg/T. ist ein Montessori-Lernort, der von der 1. bis zur 9.
bzw. 10. Jahrgangstufe schulische und soziale Bildung sowie individuelle Entfaltung bietet, an dem
Kinder und Jugendliche mit Freude und ohne Druck leben und lernen können – entsprechend ihrer
individuellen Begabungen und ihres Leistungsvermögens.
Die Montessorischule Neusitz-Rothenburg/T. bietet eine vorbereitete Umgebung zum Entdecken
und Entfalten von intellektuellen, musisch-kreativen, sozialen und handwerklichen Potenzialen. Sie
ermöglicht ihren Schülerinnen und Schülern auf der einen Seite gesellschaftlich anerkannte Abschlüsse,
legt dabei andererseits großen Wert auf die Entwicklung der Persönlichkeit. So entsteht
hier ein Ort von Achtsamkeit für sich selbst und Wertschätzung für Gemeinschaft und Umwelt.

Unser Menschenbild


Basierend auf den Erkenntnissen von Dr. Maria Montessori betrachten wir den Menschen als
freies Wesen mit der Bestimmung, sein Potenzial zum persönlichen Glück und zum Wohle der Gemeinschaft
zu entfalten. Wir vertrauen darauf, dass der Mensch von Natur aus lernen will und dass
Lernen ein lebenslanges Grundbedürfnis ist. Die Erkenntnis über Zusammenhänge ermöglicht
dem Einzelnen den achtsamen Umgang mit der Welt.

Unser Wertefundament


Der junge Mensch steht als ganzheitliche Persönlichkeit im Mittelpunkt unserer Arbeit rund um die
Erziehung zum Weltbürger. Das Leben und Lernen in der Montessorischule Neusitz-Rothenburg/T.
gründet auf demokratischen Wertvorstellungen in Verbindung mit der Pädagogik Maria Montessoris.
Achtung und Respekt vor dem Anderen sind für uns Grundlage unseres täglichen Miteinanders.
Die Fähigkeit, andere Menschen wertzuschätzen, gründet in der eigenen Wertschätzung.
Freiheit und Disziplin sind für uns untrennbar miteinander verbunden: Beide sind gleichermaßen
Voraussetzung für kreatives Schaffen und gutes Zusammenleben.
Unseren Lebensgrundlagen gegenüber legen wir großen Wert auf Nachhaltigkeit.
Wir orientieren uns am christlichen Weltbild und respektieren alle Religionen, die sich am Konzept
„Weltethos“ ausrichten und ein friedliches Miteinander aller Menschen anstreben.

Unser Selbstverständnis


In einer sich fortwährend verändernden Welt verstehen wir unsere Einrichtung als lernendes System,
das sich ständig weiterentwickelt und in dem Alle von Allen täglich Neues lernen können. Wir
wollen Kindern und Jugendlichen die Entwicklung sozialer und praktischer Handlungskompetenzen
ermöglichen, so dass sie die Herausforderungen des Lebens als verstehbar, bedeutsam und handhabbar
wahrnehmen und sich eigene Handlungsspielräume eröffnen können.
Unsere pädagogische Arbeit ist zeitgemäß und orientiert sich an der Pädagogik von Maria Montessori.
Freiarbeit sowie selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Lernen stehen bei uns im Vordergrund.

Lebens-und Arbeitsbedingungen


Wir gestalten die Lebens- und Arbeitsbedingungen in unserer Einrichtung so, dass sie für alle Beteiligten
gesundheitsfördernd sind und zum persönlichen Wohlbefinden beitragen. Die Gesundheit
von Pädagogen und Kindern betrachten wir als wesentliche Ressource für den Lernprozess.

Offen für alle, unabhängig der Begabung

Die Montessorischule Neusitz-Rothenburg/T. ist offen für Kinder und Jugendliche, Erwachsene unabhängig
von Herkunft und Begabung. Montessori Neusitz-Rothenburg/T. schafft eine Umgebung,
die die Selbstverantwortung eines jeden fördert. Die Pädagoginnen und Pädagogen verstehen sich
dabei als Lehrende wie auch als Lernende und arbeiten im Team.

Wertschätzung und Achtsamkeit

Wir bemühen uns um einen wertschätzenden und achtsamen Umgang miteinander und berücksichtigen
dabei sowohl die eigenen Bedürfnisse als auch die der anderen.
Wir akzeptieren Unterschiedlichkeit und bemühen uns, die Auffassung des anderen zu verstehen
und mit unserer Sichtweise verstanden zu werden. Auftretende Konflikte klären wir konstruktiv und
lösungsorientiert, d.h. wir streben eine Lösung an, die für alle Beteiligten vorteilhaft ist.
Eltern sind bei uns Teil unserer Schule. Sie sind in die Aktivitäten der Einrichtung angemessen eingebunden
und können bei Bedarf auch deren Ressourcen und Wissen nutzen.

Offen für regionale Kooperationen

Wir sind offen für regionale Kooperationen mit anderen Schulen vor Ort, um Synergieeffekte zum
Nutzen aller zu erschließen.

Schulform: Die rhytmisierte Ganztagesschule

Die Montessorischule Neusitz-Rothenburg/T. bietet als rhythmisierte Ganztagsschule die Durchlässigkeit
der Schularten. Jahrgangsübergreifende Gruppen ermöglichen die Einbindung von Schülerinnen
und Schülern mit besonderen Entwicklungsbedürfnissen.
Das selbstbestimmte und selbstgesteuerte Lernen stärkt die Leistungsbereitschaft der Kinder und
Jugendlichen. Die Pädagoginnen und Pädagogen geben in diesem Prozess Orientierung und Halt.
Experten aus Industrie, Handwerk und sozialen Einrichtungen, Künstler und Spezialisten ermöglichen
Lernerfahrungen innerhalb und außerhalb der Schule.

Der bayerische Bildungs- und Lehrplan

Das Lernangebot orientiert sich an den Inhalten der bayerischen Bildungs- und Lehrpläne.

Der Schulalltag an unserer Schule

Umsetzung im Schulalltag

  • Altersmischung: Das Lernen findet in der Regel in altersgemischten Gruppen statt.
  • Arbeitsformen: Die Kinder lernen in der Freiarbeit anhand von anschaulichen und begreifbaren
    Materialien in einer dafür vorbereiteten Umgebung. Weitere Arbeitsformen sind die Projektarbeit
    sowie praxisorientiertes und naturnahes Lernen.
  • Wir verzichten auf Hausaufgaben im üblichen Sinne.
  • Wir verzichten auf Noten und Ziffernzeugnisse. Stattdessen dokumentieren wir die Lernfortschritte
    der Kinder und Jugendlichen und erstellen schriftliche Entwicklungsberichte. Die Pädagog/
    innen tauschen sich regelmäßig mit den Kindern und ihren Eltern über den aktuellen Entwicklungsstand
    aus und planen mit ihnen die nächsten Schritte.
  • Zu dem ganzheitlichen Bildungsgedanken unserer Schule gehört es, den Kindern und Jugendlichen
    eine gesunde Lebens- und Ernährungsweise zu vermitteln.
  • Das Schulgeld wird im Rahmen eines soliden Finanzplans so niedrig wie möglich gehalten, damit
    unsere Schule für möglichst viele Familien finanziell in Betracht kommt. Jede mögliche
    Schulgelderhöhung liegt im angemessenen Verhältnis zur jährlichen Inflationsrate in Deutschland.
  • Elternmitwirkung: Alle Eltern sind verantwortlich für die Gestaltung der Schule und bringen sich
    gemeinsam aktiv ein. Darüber hinaus steht das Engagement der Eltern in direktem Zusammenhang
    mit der Kostenstruktur und Angebotsvielfalt unserer Schule. 

Die wichtigsten Bausteine der Montessori Pädagogik

Das Montessori Prinzip

 

Montessoripädagogik, die Prinzipien

ist ein von Maria Montssori entwickeltes pädagogosches Bildungskonzept, das die Zeitspanne vom Kleinkind bis zum jungen Erwachsenen abdeckt.

Prinzipien der Montessori-Pädagogik sind

  • das Kind in seiner Persönlickeit zu achten und es als vollwertigen Menschen zu sehen
  • helfen, seinen Willen zu entwickeln, um selbstständig zu denken und zu handeln, indem man Raum für freie Entscheidungen gibt
  • Gelegenheit zu bieten, dem eigenen Lernbedürfnis zu folgen: Kinder wollen nicht irgendetwas lernen, sondern zu einer bestimmten Zeit etwas ganz Bestimmtes
  • helfen, Schwirigkeiten zu überwinden, statt ihnen auszuweichen.

Um diese Prinzipien zu erfüllen bedarf es besonderer Bedingungen:

Die Freie Arbeit

Echter Lernerfolg ist nur dann von Dauer und von bildender Wirkung, wenn der Lernende durch aktives Handeln und Lerninhalt, Lerntempo und Lernverfahren selbst bestimmen kann. Die freie Wahl der Arbeit lässt tief greifende Veränderungen in der kindlichen Persönlichkeit zu. Am auffallendsten ist dabei die freiwillige Disziplin zu beobachten. Die Kinder und Jugendlichen wählen nach eigener Entscheidung, womit sie sich beschäftigen. Das Material, die altersgerechte Darstellung der Angebote und die gute Beobachtungsgabe der Pädagog/innen helfen dabei, sich für ein Angebot zu entscheiden.

a. Entwicklung in Phasen:

Zeit und Raum für das Individuum Entwicklungsprozesse verlaufen nicht immer gleichförmig und stetig, sondern häufig in Schüben. Das Kind / der Jugendliche arbeitet nach seinem Lerntempo in verschieden langen Arbeitsphasen. Dabei werden Arbeitsrhythmus und die Beschäftigungsdauer weitgehend selbst bestimmt und auch, ob allein oder mit einem Partner gearbeitet wird. Diese freie Entscheidung führt zu einer Disziplin, die von innen kommt und nicht von den Pädagog/innen initiiert wird. Es gibt keine kollektive Leistung, sondern die einmalige individuelle Leistung zählt – und so verstanden ist jede „gleichwertig“. Gute Begabungen werden nicht gebremst, langsamer Lernende bekommen ihre Zeit.

b. Die Freiheit der Bewegung

Die Schüler/innen bewegen sich frei im Klassenraum. Freie Partnerwahl bringt Platzwechsel mit sich, das Material wird von den Regalen geholt und auch wieder auf seinen Platz zurückgebracht. Sinnerfahrung und Bewegung sind unverzichtbar für das Lernen.

c. Heterogenität als Prinzip:

Die altersgemischte Lerngruppe Altersgemischte Lerngruppen bieten ein besonders geeignetes Fundament für soziales Lernen. Durch den mehrjährigen Verbleib besteht die Möglichkeit, feste Beziehungen und Freundschaften zu Gleichaltrigen, älteren oder jüngeren Kindern bzw. Jugendlichen aufzubauen. Gleichzeitig können Erfahrungen in unterschiedlichen sozialen Rollen gesammelt werden , z. B in der Rolle des "Jüngeren", des "Älteren", des "Neulings", des "Erfahrenen", des "Lernenden", des "Experten", des "Helfers", des "Hilfe- Annehmenden", ohne auf Dauer in diesen Rollen festgelegt zu sein. Dies ermöglicht den Schüler/innen, oberhalb oder unterhalb des für einen Jahrgang, z.B. in den Rahmenplänen vorgesehenen Fachniveaus zu arbeiten, ohne ihre Bezugsgruppe verlassen zu müssen. So fördern jahrgangsübergreifende Gruppen individualisiertes Lernen und damit auch die Integration von Schüler/innen mit besonderen Lernbegabungen, Leistungsstärken oder Lernschwächen. Die längere Verweildauer in einer festen Gruppe fordert verbindliche Regeln und Rituale, die entwickelt, erprobt, tradiert und gegebenenfalls modifiziert werden müssen. Dadurch finden Kinder/Jugendliche auch leichter einen Weg, soziale Konflikte ohne Hilfe der Erwachsenen zu lösen.

d. Inklusion

„Der Weg, auf dem die Schwachen sich stärken, ist der gleiche wie der, auf dem die Starken sich vervollkommnen.“

(M. Montessori, Schule des Kindes S.166)

Inklusion gibt Kindern und Jugendlichen die Chance, frühzeitig Hilfsbereitschaft einzuüben, sowie Verständnis und Respekt für die Andersartigkeit von Menschen zu entwickeln, die besondere Bedürfnisse haben. Durch die weitgehende Individualisierung des Unterrichts können gerade Kinder/Jugendliche mit Lern- und Entwicklungsstörungen gefördert werden. Die Vorbereitete Umgebung unterstützt dieses Angebot genauso wie das Montessori-Material. Es fördert über vielfältige Lernanreize auf allen Sinneskanälen die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.

2. Schaffung optimaler Lernvoraussetzungen:

Die Vorbereitete Umgebung Selbstorganisiertes und eigenverantwortliches Lernen benötigt als Voraussetzung ein geeignetes Umfeld: Die Vorbereitete Umgebung. Dieser Begriff umfasst die räumliche und sächliche Ausstattung, das bereit gestellte Material, das Verhalten von Pädagog/innen sowie Mitschüler/innen und Eltern sowie die Arbeitsatmosphäre.

Wichtige Merkmale sind:

  • angenehme äußere Gestaltung
  • für die Bedürfnisse der Kinder / Jugendlichen geeignetes Mobiliar
  • ruhige und konzentrierte Arbeitsatmosphäre
  • anregendes Material, das die "Polarisation der Aufmerksamkeit" fördert
  • angemessenes Verhalten der Pädagog/innen
  • unterstützende und kooperative Mitschüler/innen

Die vorbereitete Umgebung beschreibt also sowohl den psychischen als auch den physischen Raum, in dem das Kind entscheidende Schritte seines seelischen und geistigen Wachstums vollziehen kann. In der vorbereiteten Umgebung erfährt das Kind die Ordnung, die auch im Kosmos waltet und hält selbst Ordnung. Wille und Charakter festigen sich, und ohne viele Worte bildet sich der mündige Mensch.

3. Veränderte Lehrerrolle: Lernbegleiter/in und Lernberater/in

Eine wesentliche Bedingung für die Förderung von selbsttätigem und eigenverantwortlichem Lernen ist eine veränderte Lehrerrolle oder - globaler betrachtet - eine veränderte Haltung der Erwachsenen gegenüber dem Kind und dem Jugendlichen. Sie ist im Wesentlichen gekennzeichnet durch Respekt vor der Persönlichkeit des Kindes bzw. des Heranwachsenden und durch das Vertrauen in die immanenten individuellen Entwicklungskräfte, deren Entfaltung Erwachsene durch das Bereitstellen einer vorbereiteten Umgebung kräftig unterstützen sollen.

Diese Haltung umfasst kritische Selbstreflexion und beobachtende Distanz des Erwachsenen. Fehler oder Probleme werden als notwendiger Teil des Lernprozesses betrachtet und nicht geahndet, sondern analysiert und als Grundlage für die Fortentwicklung (z.B. des Materials, der Vorbereiteten Umgebung) genommen.

Weitere Kennzeichen als Kriterien für eine angemessene, veränderte Haltung des Erwachsenen:

  • Förderung des Aufbaus von Lernmotivation, z. B. möglichst durch Verzicht auf Lob und Tadel
  • Unterstützung der Selbsttätigkeit und Selbststeuerung des Kindes durch große Zurückhaltung
  • Förderung der kindlichen Unabhängigkeit, d.h. "sich selbst überflüssig machen"
  • Große Zurückhaltung in Bezug auf Anordnungen
  • Selbstbeobachtung und Selbstreflexion mit dem Ziel, eigene Fehler zu beseitigen
  • Genaue Diagnose des individuellen Lern- und Entwicklungsstandes und der Motivationsstrukturen
  • Geduld und Vertrauen

4. Herausforderung für Eltern und Schüler/innen: Neudefinition der eigenen Rolle

Die Einbindung aller am Erziehungs- und Lernprozess Beteiligten und ihre Identifikation mit der Montessoripädagogik spielt für das Gelingen eine wesentliche Rolle.

So müssen sich nicht nur die Pädagog/innen neu orientieren, auch die Eltern müssen bereit sein, ihre Rolle und Haltung neu zu definieren und sich ebenfalls als Begleiter der Kinder zu verstehen. Erziehungsmaßnahmen, die z.B. durch Druck, Liebesentzug, häusliches Üben gegen den Willen der Kinder oder durch Belohnungen den gewünschten schulischen Erfolg herbeiführen wollen, stehen den Bildungszielen entgegen.

Damit eine vertrauensvolle, gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus gelingen kann, werden zu den normalen regelmäßigen Elternabenden, Diskussionsgremien und Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Außerdem wird durch erweiterte Mitbestimmungsrechte in den schulischen Gremien die verantwortungsvolle Zusammenarbeit gefördert.

Die Schüler/innen sollen die Bereitschaft entwickeln, sich der anspruchsvollen Aufgabe des selbsttätigen und selbst verantworteten Lernens zu stellen, d. h. sie müssen ihre Rolle als Baumeister der eigenen Persönlichkeit und damit als Gestalter ihres gegenwärtigen und zukünftigen Lebens akzeptieren. Dies bedeutet beispielsweise, effizient in der Schule zu arbeiten und gegebenenfalls freiwillig zu Hause den Lernstoff zu vertiefen, falls dies zur Erreichung der eigenen Ziele notwendig ist. Auch kann diese Haltung einschließen, Schwächen zu offenbaren und Hilfen in Anspruch zu nehmen.

 

Polarisation der Aufmerksamkeit

Einen entscheidenden Impuls ihres Werkes erfuhr Maria Montessori mit der Entdeckung des Phänomens der „Polarisierten Aufmerksamkeit“, das auch als Montessori-Phänomen in die Literatur eingegangen ist. Dieser Begriff beschreibt eine Form der Aufmerksamkeit des Kindes, die es unter bestimmten Umständen zu anhaltender konzentrierter Beschäftigung befähigt. Sie kann jedoch weder befohlen noch künstlich hervorgerufen werden. Sofern die Voraussetzungen dafür geschaffen sind, ermöglicht die Polarisierte Aufmerksamkeit jedem Kind eine geistige Auseinandersetzung mit seiner Umwelt, die nicht in Ermüdung und Erschöpfung endet, sondern im gestillten Bedürfnis, sich ganz einer Tätigkeit hinzugeben. Folgeerscheinungen davon sind interessanterweise sich entwickelnde Eigenschaften wie „spontane Disziplin“, „ständige, freudige Arbeit“, sowie „soziale Gefühle der Hilfe und des Verständnisses für die anderen“.

 

Sensible Phasen

In der entwicklungspsychologischen Literatur begegnet man seit einiger Zeit immer häufiger dem Begriff der „Sensiblen Phasen“ oder „Zeitfenster“. Er beschreibt begrenzte Zeitspannen, in denen Kinder eine besonders hohe Bereitschaft und Fähigkeit für bestimmte Lerninhalte zeigen. Maria Montessori hat diesen Begriff aus der Biologie gewählt. Die Abfolge dieser Phasen folgt einer inneren Gesetzmäßigkeit. Man muss mit besonderer Sorgfalt auf die Zeichen achten, die eine Phase der Empfänglichkeiten andeuten. Sie zeigen sich in Form eines lebhaften Bedürfnisses, sich mit bestimmten Situationen oder Dingen zu beschäftigen. Bleibt einem Kind diese Möglichkeit versagt, so kann es sich bestimmte Fähigkeiten nicht mehr auf „natürliche“ Weise aneignen. Nachholen kann es vieles sehr wohl, aber nicht mehr mit entsprechender Leichtigkeit und Begeisterung.

 

Absorbierender Geist

Die besondere Lernfähigkeit des Kindes liegt in diesem höchst bemerkenswerten Phänomen des „Absorbierenden Geistes“. Maria Montessori spricht sogar von einer „privilegierten Geistesform“, die sich von der des Erwachsenen erheblich unterscheidet und die sie als „Absorbierenden Geist“ bezeichnet. Als bestes Beispiel nennt sie den Spracherwerb des Kindes. Ein Kind lernt nicht den Wortschatz und grammatikalische Regeln, es assimiliert die Sprache ganzheitlich, ohne Semantik, Syntax und Phonetik zu trennen. Unbewusst eignet es sich die Kultur an. Ab dem vierten Lebensjahr etwa wird diese unbewusste, absorbierende Tätigkeit des Geistes durch bewusste Aktivität ergänzt. Das Kind beginnt bewusst zu handeln und die Welt gezielt zu erobern.

 

Die Arbeit des Kindes

„Arbeit“ ist für Maria Montessori in der Entwicklung des Kindes von zentraler Bedeutung. Sie bedeutet zunächst einmal intensive Tätigkeit, die zum Wesen des Menschen gehört. Die Arbeit des Kindes trägt jedoch andere Merkmale als die des Erwachsenen. Ein kleines Kind sucht im Gegensatz zu den Erwachsenen kein äußeres Ziel in seiner Arbeit, es versucht den Weg des geringsten Kraft- und Zeitaufwandes zu gehen und erwartet in der Regel keine Belohnung. Außerdem will es das, was es alleine tun kann, auch wirklich alleine tun. Das Ziel des kleinen Kindes ist das Arbeiten selbst. Erst später wird Arbeit mit Willensanstrengung, Effizienz und Ergebnisorientierung verbunden.

 

Die vorbereitete Umgebung

Die vorbereitete Umgebung beschreibt sowohl den psychischen als auch den physischen Raum, in dem das Kind entscheidende Schritte seines seelischen und geistigen Wachstums vollziehen kann. Architektur, Mobiliar und Material sollen ästhetischen und praktischen Ansprüchen des Kindes genügen. Dem Material kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn ohne Gegenstände kann sich ein Kind nicht konzentrieren. Es soll dem Kind Selbstbildung und Selbsterziehung ermöglichen. Deshalb muss es den psychischen Aufbaubedürfnissen des Kindes entsprechen. Das Material für die Übung der Sinne wird von den sensorischen Bedürfnissen des Kindes bestimmt und das Sprach- und Rechenmaterial entspricht dem Bedürfnis nach Abstraktion.

 

Freiarbeit

Montessori erkannte bereits zu ihrer Zeit, was die heutige Entwicklungsforschung bestätigt: Echter Lernerfolg ist nur dann von Dauer und von bildender Wirkung, wenn das Kind durch aktives Handeln und gemäß seiner sensiblen Phasen Lerninhalt, Lerntempo und Lernverfahren selbst bestimmen kann. Kompromisslos setzte sie auf die selbstgesteuerte Lernaktivität und spontane Wissensbegierde des Kindes. Sie brach mit herkömmlichen, auf Belehrung und Wissensvermittlung ausgerichteten, Traditionen der Lehr- und Erziehungsmethoden. Die freie Wahl der Arbeit mit all ihren Konsequenzen lässt tief greifende Veränderungen in der kindlichen Persönlichkeit zu. Am auffallendsten ist dabei die freiwillige Disziplin zu beobachten. Jedoch darf die erforderliche Freiheit nicht mit Bindungslosigkeit, Willkür oder Beliebigkeit verwechselt werden. Der Weg in die Freiheit muss behutsam begleitet erfolgen, unter Berücksichtigung des geistigen Wachstums des Kindes.

 

Altersmischung

Der Aufbau eines guten Lern- und Arbeitsverhaltens gelingt nach der Auffassung M.Montessori´s am besten in altersgemischten Gruppen. Diese natürlichste Form einer menschlichen Gemeinschaft zeigt sich am günstigsten, wenn mindestens drei Jahrgänge in einer Gruppe vertreten sind. Ältere Kinder können sich mit ihrem Wissensvorsprung als „Lehrer“ betätigen und lernen durch lehren. Dabei analysieren und strukturieren sie ihr Wissen erneut, um es vermitteln zu können. Jüngere begegnen den Älteren mit Achtung und Respekt, wohlwissend, dass auch sie einmal in diese Rolle schlüpfen werden. In altersgemischten Lerngruppen finden Kinder erfahrungsgemäß auch leichter einen Weg, soziale Konflikte zu lösen, ohne Hilfe der Erwachsenen.

 

Kosmische Erziehung

Der Mensch als Mikrokosmos und Teil eines kosmischen Ganzen hat nach Montessoris Auffassung die Aufgabe, an der Verwirklichung eines universellen „kosmischen Plans“ mitzuwirken. Dazu müssen wir uns auf die Suche machen nach Zusammenhängen und Grundlagen des Lebens, nach den Gesetzen der Natur und vor allem nach den Folgen unseres Tuns Zu den vordringlichsten Aufgaben einer kosmischen Erziehung gehört es, in nachkommenden Generationen das Bewusstsein zu stärken, dass Wissen nicht genügt, sondern dass diese Zusammenhänge erkannt werden müssen. Dazu muss man dem Kind eine Vorstellung vom Ganzen geben, um ihm dann zu zeigen, wie jedes Detail ein Teil des Ganzen ist. Die Einsicht in die Wechselbeziehung aller Dinge ist für Montessori ein fundamentales Bildungsprinzip.

 

Integration / Inklusion

„Der Weg, auf dem die Schwachen sich stärken, ist der gleiche wie der, auf dem die Starken sich vervollkommnen.“ (M.Montessori, Schule des Kindes S.166) Integration gibt Kindern und Jugendlichen die Chance, frühzeitig Hilfsbereitschaft einzuüben, sowie Verständnis und Respekt für die Andersartigkeit und Besonderheit behinderter Menschen zu entwickeln. Aufgrund der weitgehenden Individualisierung des Unterrichts in der Freiarbeit und der Möglichkeit, in wechselnden Sozialformen miteinander Lerninhalte zu verarbeiten, können gerade Kinder mit Lern- und Entwicklungsstörungen gefördert werden. Die Vorbereitete Umgebung unterstützt dieses Angebot in gleicher Weise wie das Montessori-Material, das aufgrund des Prinzips der Isolierung von Schwierigkeiten in besonderem Maße dafür geeignet ist. Es fördert über vielfältige Lernanreize auf allen Sinneskanälen die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.

Kontakt

  • Private Montessori-Schule
    des Montessori Förderkreises Rothenburg o.d.T.e.V. in Neusitz
  • Waldstraße 15
  • 91616 Neusitz
  • Telefon: 09861 / 87 90 0

  • Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
built with by markus sailer